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Bildung vs. Corona - "Es ist kompliziert"

Auch nach einem Jahr Home-Office, Distanzlernen und Homeschooling scheint es kompliziert zu sein mit der digitalen Bildung in Deutschland.

Um mehr von Euren Herausforderungen und Lösungsansätzen zu hören, haben wir Euch zu einem einstündigen Clubhouse-Talk eingeladen.

Mit Clubhouse ist vor kurzem eine neue Social Media Plattform gestartet, die es ermöglicht, bei öffentlichen Live-Gesprächen zu bestimmten Themen mit zu diskutieren oder zuzuhören - ähnlich einem Podcast-Format. Mit dabei war eine bunte Mischung aus Lehrkräften, pädagogischem Fachpersonal und Eltern, die ihre Erfahrungen aus Sicht ihrer Familie mit uns geteilt haben.
Da Clubhouse aktuell noch sehr exklusiv ist - nur für iPhone-Nutzende, Teilnahme nur nach Einladung und Anmeldung, ungeeignet für gehörlose Menschen (keine Untertitel-Möglichkeit) - haben wir die wichtigsten Punkte für Euch zusammengefasst.

Die Herausforderungen in der digitalen Bildung

Deutlich wurde, dass die Herausforderungen in der digitalen Bildung sehr vielschichtig sind und es deswegen nicht die eine Lösung geben kann. Unsere Teilnehmerin, Lehrerin an einer Förderschule, hat Kinder in ihren Klassen, die eine besondere Betreuung benötigen. Diese sei auf Distanz und digital meist gar nicht zu gewährleisten. Auf der anderen Seite gibt es viele Familien und Schulen, die die nötigen Endgeräte nicht besitzen oder keine ausreichende Internet-Anbindung haben. Fördergelder oder bestellte Hardware ließen auf sich warten. Und manche Lehrkräfte teilten den Frust, dass kaum Austausch mit anderen Schulen stattfände - man bekäme nicht mit, ob andere Schulen bereits tolle Lösungskonzepte erarbeitet haben.

Dies ist leider nichts Neues, doch was macht das mit uns?

Bindung zu Kindern ist entscheidend

Alle Teilnehmenden waren sich einig: man läuft Gefahr, als Lehrkraft die Bindung zur Schulklasse zu verlieren. Man sieht sich nur in digitalen Videokonferenzen (falls möglich) und hat kaum noch Gespür für die täglichen Veränderungen und Errungenschaften der Kinder. Dabei ist dies entscheidend, um die Entwicklung junger Kinder angemessen und sinnvoll zu fördern, und Grundlage für das vertrauensvolle Miteinander.

Und welche Lösungen haben sich nun ergeben?

Eine Talk-Teilnehmerin und ebenfalls Lehrerin teilte daraufhin begeistert eine tolle Idee: Sie nahm sich die Zeit, Briefe an all ihre Schüler*innen zu verfassen. Dies sei natürlich mit gewissem Aufwand verbunden, allerdings sei es ihr jede Mühe wert, da sie den Kindern damit das Gefühl geben könne: “Ich bin für Euch da!”. Die Kinder freuten sich über die persönliche Aufmerksamkeit, die weit über Einzelgespräche per Videokonferenz hinausging.

Auch spiele die Erreichbarkeit eine wichtige Rolle: so wie Lehrkräfte und pädagogisches Fachpersonal vielleicht die Bindung zum Kind verlieren können, fühlen sich Kinder möglicherweise allein gelassen. Sie können ihre Vertrauensperson in der Schule nicht sehen und jederzeit ansprechen. Daher ein Tipp an alle Lehrkräfte: seid erreichbar und ermutigt die Kinder, sich auch bei Euch zu melden!

 

Methoden aus dem Arbeitsalltag helfen auch Kindern

Für die einfachere Aufgabenbewältigung kommen bei einigen Familien sogar Methoden aus dem Arbeitsalltag zum Einsatz: so berichteten zwei Teilnehmende, sie hätten zuhause das sog. Kanban-System eingeführt. Kurzerhand wurden Klebezettel mit den aktuellen Aufgaben beschriftet und an die Wand geklebt. Dort würden sie sortiert nach “zu erledigen” und “erledigt”. So habe die ganze Familie im Blick, was zu tun ist, und die Kinder haben ein Erfolgserlebnis, wenn wieder eine Aufgabe in die “Erledigt”-Spalte wandert. Am Ende der Woche sähen die Kinder auf ihrer Wand, was sie alles geschafft haben.

Auch konnte der Corona-Situation etwas Positives abgewonnen werden: Einige Eltern berichteten, dass ihre Kinder nun in ihren eigenen Bio-Rhythmus zurückgefunden hätten. Es sei nicht mehr so wichtig, WANN Aufgaben erledigt werden. Viele Kinder würden nicht nur Zeitmanagement lernen, sondern auch auf ihren Körper zu hören. Wann bin ich fit und kann produktiv sein? Und wann spiele ich vielleicht einfach und entscheide, die eine oder andere Aufgabe später zu erledigen?

So oder so gibt es an allen Ecken und Enden noch viel zu tun. Das Wichtigste dabei ist, nicht die Hoffnung zu verlieren und für sich im Kleinen zu überlegen: was kann ICH tun, um diese Situation zu ändern?